Wels Halbmarathon

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…wie eine Horde bayerischer Waldbewohner auszogen um den Österreichern das fürchten zu lernen.

5:00 Uhr der Wecker klingelt.
Als hätte ich nicht eh die letzten Stunden damit verbracht im 30-Minutentakt auf das dämliche Ding zu starren. Ja, ich habe schlecht geschlafen, weil ich aufgeregt war wie ein kleines Kind am Weihnachts-Vorabend.
Jetzt ist es so weit, aufstehen, frühstücken, Katzenwäsche noch einen Espresso hinterher und ab Richtung Oberösterreich. 200km und ich bin nicht mit großem Zeitpuffer ausgestattet um die Startunterlagen bis 9:00Uhr abzuholen.
Also das Geschwindigkeitslimit extrem ausgenutzt und so knapp 25min herausgefahren. Ab zum Messegelände und die netten Streckenposten gelöchert, wo ich denn jetzt hinmüsse. Dank der Auskunftsfreude Dieser, stehe ich um 8:45 Uhr vor einer Netten Dame, die mir den Beutel mit Startnummer, Nudelpackung, T-Shirt und Isodrink reicht. Dann noch nen Chip geholt und da treffe ich auch schon den Rest der Bayerwaldtruppe vom Team Gamsbock.

Kurze Lagebespechung, jeder jammert ein wenig rum und hofft auf etwas Anteilnahme der Gruppe, um zügig zu beschließen die Laufklamotten anzuziehen und sich einzulaufen. Gesagt getan – Kurz/Kurz angezogen, ausm Auto raus, ins Auto rein, Lang/Lang + Windjacke – Besser!
Weht doch ziemlich und von der versprochenen Sonne ist auch nix zu sehen. Egal, die Jacke kann ich bei der Freundin eines Teamkumpels am Start abgeben, also kurz 2km einlaufen, einmal die geplanten 3:40 antesten, den Schollenmuskel links verfluchen, dass der jetzt abwechslungsreicher Weise zumzickt und dann schnur Stracks 15min vor Start noch aufs Klo um endlich den Ballast loszuwerden. Nach erfolgreicher Sitzung, wäre ein Horrorszenario schon mal eliminiert. Bleibt nur noch Wade und Zwerchfell, welches sich netterweise die letzten Tage noch verkrampfender Weise dazugesellt hat.

Wir treffen uns am Start, doch die Freundin nicht da. Also Jacken einfach unter den aufblasbaren Start/Zielbogen geschoben und fertig.
3, 2, 1….Schuss! Ziemlich weit vorne eingereiht treffe ich gleich die 3:30 für den ersten Kilometer und hinke nur noch sporadisch von Dannen. Die Beine fühlen sich ansonsten relativ gut an und von Müdigkeit ist ob des beschissenen Schlafs auch nix zu merken. Prächtig denke ich mir, so kann das weitergehen.
Der Schnitt pendelt sich für die erste 7 km-Runde bei 3:39 ein, aber es findet sich irgendwie keine Gruppe. Ich laufe immer wieder zu einzelnen Läufern auf, die passiere ich aber nach kurzer Pause immer gleich, um nicht deren Rennen zu laufen, sondern meins.
Die erste Runde geht also in 25:31 min weg und ich bin auf Kurs.
Alles noch frisch und ich fühle mich jeden Kilometer besser. Bei Kilometer 9 oder 10 schließe ich zu einem kleinen Läufer auf, der mir zwar keinen Windschatten bietet, aber der Moral tut es trotzdem gut, ein Stück zusammen zu laufen. Wir quatschen kurz und laufen bis etwa km 13 zusammen. Dann schließt von hinten ein weieter Läufer zu uns auf und ich freue mich schon, dass die Gruppe wächst. Pace passt auch noch, aber mein Puls hoppelt langsam über die kritische Schwelle, wo es sehr unentspannt wird. Unser neustes Gruppenmitglied macht sogleich weiter Tempo und ich versuche mit dem kleinen Kollegen dran zu bleiben. Einige male muss ich abreißen lassen, um mich wenig später wieder ranzuarbeiten. Inzwischen bin ich das zweite mal durch den Start-Zeil Bereich gelaufen und kann erfreuliche 3:41 registrieren. Macht also 25:49min für die zweite Runde. Alles im grünen Bereich und ich beginne die letzten 7km schon rückwerts abzuspulen. Die Beiden Läufer musste ich leider ziehen lassen, und so stehen mir recht einsame und ab km 16 leidensvolle Meter bevor.

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Meine vermeindliche Stärke, wendet sich gegen mich und zeigt mir mit fiesem Grinsen den Mittelfinger.
Ich blicke gefühlt alle 200m auf die Uhr und wünsche mir innig jedes Kilometerschild herbei. Der Flow ist weg und ich atme richtig schwer. Die Uhr zeigt bei km18 3:46min/km für die letzte Runde an und ich werde nicht gerade schneller. Mental habe ich jetzt echt einen Hänger und kein Ausweg ist in Sicht. Die Beine werden immer schwerer und ich beschimpfe mich innerlich selber und peitsche mich an, dass ich die letzten verdammten 18km jetzt nicht gelaufen bin um mit einer womöglich 1:20+ nach Hause zu fahren.
Ca. 200m vor mir ist eine Läufer zu dem ich eventuell noch aufschließen könnte, er rennt etwa mein Tempo und wurde von den beiden Ausreißern auch schon überholt. Also fasse ich allen Mut zusammen und versuche mich an den Kerl ranzuarbeiten. Mantraartig leiere ich „Du schaffst es“ in mich hineien und tätsächlich kommt der Hoffnungsschimmer langsam näher. Kurz hinter Kilometer 19 laufe ich zu Ihm auf und fordere Ihn auf zu folgen. Ist zwar blöd, aber irgendwie hat das für mich immer einen positiven Effekt, jemand anderen anzupeitschen, obwohl es mir selber kacke geht. Er folgt mir und ich gehe im Kopf durch, wie schnell so 2km eigentlich vorbeigehen können, wenn man Intervalle auf der Bahn schrubbt. Diese zwei sind leider von einer anderen Sorte…

KM 20!!! Da ist das verdammte Schild, an dem man jetzt zum 3. Mal vorbeiläuft und welches jetzt endlich Gültigkeit hat. Aber so schön, wie man sich das Gefühl die anderen beiden Male ausgemalt hat, ist es jetzt irgendwie nicht. Noch dreckige, schmerzende und brennende 1000m und der Schnitt hat sich wieder zu einer 3:45min/km verbessert. Von hinten schnauft etwas heran und überholt mich so gleich. Es ist ein Typ, der bei km 3 schon gekeucht hat wie ein irrer und jetzt hat der mich wieder überholt. Ich sacke ein weiteres mal zusammen und verliere den Biss…

…bis ein Teamkollege dem ich beim 15km Lauf vor 3 Wochen noch 1 1/2 Minuten abgenommen habe und den ich weiter hinter mir angedacht hatte auch noch zum Überholmanöver ansetzt. Ich krieg die Krise, denke ich mir. Jetzt packt mich der Ehrgeiz und ich schnappe mir den einen keuchenden Typen und laufe zu meinem Teamkollegen auf. Noch ein Kreisverkehr ca. 200m Gerade und dann nicht geradeaus durch Start/Ziel, sondern rechts abbgiegen zur Turnhalle was nochmal ca 200m Gerade sind. Als der Kollege bemerkt, dass ich wieder aufschließe zündet er wiederum den Turbo und schießt mir davon. Doch diesmal laufe ich richtig rechts weg und er muss über das Trassierband korrigieren und verliert so die letzten Meter.

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Als ich im Ziel die 1:17:xx runterzählen sehe, kommt nun endlich die Gewissheit, dass dieses facettenreiche Rennen ein gutes Ende genommen hat, mit dem ich als Halbmarathondebüt gefälligst sehr zufrieden sein kann.

Gekrönt wurde das Ganze mit dem 2. Platz der Teamwertung mit unseren Zeiten: 1:14:39, 1:17:42, 1:17:47!!!!

Und die Moral von der Geschicht, nach 16km machen oft Kopf und Haxen dicht….

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